Workshop: Gedanken zur politischen Lage in Lateinamerika aus der Perspektive der Befindlichkeit des Volkes – Lebensweise, Subjektivität und das tägliche Leben unter dem progressiven Zyklus und heute. – 11. Juli 2018

LAK hatte die Ehre, am Workshop zur politischen Lage in Lateinamerika am Institut für Politikwissenschaften in Wien teilnehmen zu können.

 

Alejandra Santillana (Universidad Nacional Autónoma de México) teilte ihre Erfahrungen mit dem Schwerpunkt auf die “Revolución Ciudadana” (Revolution der Staatsbürger) in Ecuador. Das Land hat sich vom Bananenexporteur zum Export von Erdöl entwickelt. Die Indigenenbewegung mit dem Marsch nach Quito 1990 gründete in den kolonialen Problemen, die auch nach den Agrarreformen der 70er-Jahre weiterbestanden. Die CONAIE (Bündnis der indigenen Nationalitäten Ecuadors) erreichte Verhandlungen über die Konflikte, während die Konflikte außerhalb der Organisation ungelöst blieben. Mit der „Revolución Ciudadana“ von Rafael Correa begann die Kriminalisiertung der Protestbewegungen seitens der Politik. Während es früher Dispute auf der Straße gab, zählte dann laut Correa nur die Repräsentation („Wer hat die Wahlen gewonnen – ihr oder ich?“). Daher spielten die Organisationen nur noch eine marginale Rolle. Gegenwärtig ist das „Gute Leben“ als neues Konzept seiner Regierung unbrauchbar, da klar definierte Ziele fehlen. Aus diesem Grund wird darüber auch nicht mehr gesprochen.

Juan Pablo Hudson (CONICET/Universidad de Buenos Aires) spezialisierte sich auf die Unsicherheit im Alltag und die städtische Peripherie Argentiniens. Das abrupte Ende des Zyklus des Fortschrittes zur neoliberalen Dekade zeigte sich in Immobilienspekulationen, Finanzspekulationen durch die Verschuldung des Volkes und durch eine neue Art der Gewalt. Früher wollten die Drogenhändler nur verkaufen, heute jedoch wollen sie die Stadtbezirke verwalten. In Wahrheit erreicht niemand die Kontrolle über die Stadtbezirke – auch nicht die Polizei oder die Nachbarn-, da sie einander gegenseitig brauchen. Es gibt viele Waffen in den Vierteln. Jugendliche von 14 bis 17 Jahren werden gewalttätig, die Leute der Viertel haben Angst und töten einen dieser Jugendlichen – es ist ein Horror.

Patricia Ventrici (CONICET/Universidad de Buenos Aires) berichtete uns von den Arbeitsverhältnissen und Gewerkschaften. Die Gewerkschaften Argentiniens repräsentieren den Peronismus und damit die Vergangenheit. Sie befinden sich nach wie vor im Fortschritt der Zersplitterung.  80% der Arbeiterkonflikte haben ihren Ursprung in den Gewerkschaften selbst.

Vanesa Ciolli (Universidad de Buenos Aires) erzählte uns von den „Mutationen“ des Neoliberalismus der 90er-Jahre zum 21. Jahrhundert. Laut ihr gibt es keine politischen Konflikte sondern Wirtschaftskonflikte in Argentinien.

 

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