Buchempfehlung: Imperiale Lebensweise (Ulrich Brand)

Brand, Ulrich; Wissen, Markus (2017): Imperiale Lebensweise. Zur Ausbeutung von Mensch und Natur in Zeiten des globalen Kapitalismus. München: Oekom.

Immer mehr Menschen – im globalen Norden und zunehmend auch im globalen Süden – machen sich eine imperiale Lebensweise zu eigen. Sie bedienen sich an den ökologischen und sozialen Ressourcen andernorts, um sich selbst einen hohen Lebensstandard zu sichern. Appelle an einen »grünen Konsum« oder Strategien einer »grünen Ökonomie« ändern daran nichts. Viel grundlegendere Veränderungen sind nötig. Ulrich Brand und Markus Wissen analysieren die Ursachen der imperialen Lebensweise, beleuchten ihre zerstörerischen Wirkungen und zeigen Wege zu ihrer Überwindung auf.

 

Rezensionen und Termine

Im Interview mit Alcides Benavente (ab Minute 25:34)

 


 

 

 

Dr. phil. Ulrich Brand, geboren 1967, studierte Tourismus in Ravensburg und Politikwissenschaft in Frankfurt/Main, Berlin und Buenos Aires. Er ist wissenschaftlicher Assistent an der Universität Kassel.

 

 

Die Stunde der Netzwerke – Marcos Villasmil*

Partner von LAK aus Venezuela


Wenn das Oppositionsbündnis in Venezuela “Beratung und Gespräche” mit der Zivilgesellschaft anbietet und die Staatsbürger dies durchsetzen wollen, dann wird in Wahrheit über die Notwendigkeit zur Erweiterung und Vertiefung ihrer Netzwerke gesprochen. Die Realität des 21. Jahrhunderts fordert die Verwendung von Netzwerken zur klugen sozialen Interaktion. Wenn etwas das Umfeld des 21. Jahrhunderts charakterisiert, dann ist es die Bedeutung der Technologie im Dienste der Bürger – eine grundlegend „in Beziehung gehende“ Technologie. Sie ist auch Träger des gegenwärtigen weltweiten Konzepts, bei dem die Information nicht nur frei, sondern auch komplett mobil ist und bei dem die hierarchische Kontrolle nicht mehr das fundamentale Bezugselement darstellt, da die moderne Gesellschaft polyzentrisch ist. Vom Konzept der sozialen Strukturen des 19. Jahrhunderts aus der Epoche der industriellen Revolution müssen wir uns nun definitiv verabschieden. Die marxistischen Ideen über eine Welt des Proletariats und Bürgertums – Konzepte, die im Steinzeit-Regime Castros sowie von seinen iberoamerikanischen Fans nach wie vor angewendet werden – haben denselben Wert und die gegenwärtige Relevanz wie die Kommunikation mittels Feuerzeichen.

Etwas, das die Parteieliten nicht zu verstehen scheinen ist, dass die Politik schon lange aufgehört hat Zentrum der gesellschaftlichen Aktivität zu sein. Die Kräfte heutzutage sind polyzentrisch und drehen sich nicht mehr nur um Politik. Die Leute wünschen stabile, horizontale Beziehungen. Der partizipierende Staatsbürger will nicht nur hören und sehen, er will gehört werden und an den Diskussionen im Netz teilnehmen, welches „ein menschlicher Superorganismus“ (Christakis & Fowler) ist.

Was erzeugt polyzentrische Gesellschaften? Ein Wertenetz aus einem komplexen Geflecht von Akteuren, Systemen und Organisationen, das seine Beziehungen definiert. Das besagte Wertenetz ist der neu entstandene intelligente Raum, den kein sozialer oder politischer Akteur ignorieren kann. Traditionellerweise definierten sich die Aktivisten durch die Sache, heute definieren sie sich durch das gemeinsam benutzte Werkzeug. Der Homo oekonomicus hat sich zum Homo dictyous (Mensch der Netzwerke) entwickelt.

Das neue Sozialmanagement beinhaltet die Werte Transparenz, Verhandlung, Offenheit für den Dialog und angemessene Nutzung neuer Technologien mit dem Ziel der Förderung von Communitys im Netz basierend auf Werten der sozialen Intelligenz. Diese Communitys werden sowohl von öffentlichen als auch von privaten Vertretern versorgt, welche die konstante gesellschaftliche Veränderung gestalten und vom nie zuvor gesehenen technologischen Fortschritt profitieren.

Jene Netzwerke mit sozialem Wert treiben neue Formen der (Wieder-)Erkennung, Partizipation und Repräsentierung voran, indem soziale Verbindungen gefördert werden. Gleichzeitig präzisieren die ausgelösten Diskussionen im Netz durch jeden daran Beteiligten ihrenMehrwert, um kollektive Maßnahmen zu ergreifen. Dadurch werden andere Formen der Partizipation nicht beseitigt, sondern ergänzt und die individuelle und kollektive Verantwortung gestärkt.

Die Staatsbürger, vor allem die jungen, sind Vermittler von Wissen und Information, gestalten ihr Netzwerk und definieren sich durch jenes. Für die Jugendlichen sind die neuen Technologien im Netz etwas Unsichtbares, ein Mittel zum Zweck, das einen Teil ihre Identität ausmacht. Wie wir uns fühlen, mit wem wir in Beziehung treten, was wir wissen und was wir lernen, all dies hängt von unseren Verbindungen ab. Um zu wissen, wer wir sind, muss man nur wissen, mit wem wir verbunden sind.

Wie muss eine demokratische Führungsperson im Netz sein? Sollte sie aus dem politischen oder dem sozialen Bereich kommen? Die prinzipiellen Charakteristika einer Führungspersönlichkeit im Netz, einer intelligent Führungsperson des 21. Jahrhunderts sind: Konflikte reduzieren (verhandeln); vorausschauen und sich anpassen (Strategie); sich mit seinem Umfeld „verbinden“ (Empathie und Authentizität); zuerst zuhören, positiv sein und motivieren; ständig die eigenen Verhaltensweisen überprüfen (und immer zu Veränderungen bereit sein); Selbstbeherrschung (emotionale Intelligenz); das Umfeld beeinflussen ohne sich wie ein König oder Einzelkämpfer aufzuspielen (soziale Intelligenz).

Wir leben definitiv in einer Gesellschaft des Wissens, der Innovation und der kontinuierlichen Veränderung. Die große Herausforderung einer Wissensgesellschaft ist die Entstehung einer kollektiven Intelligenz, die mehr als nur die reine Zunahme an individuellen Intelligenzen ist. Dank der Fortschritte in Neurobiologie und Psychologie hat die Wissensgesellschaft eine nie zuvor dagewesene Wende bei traditionellen Vorstellungen wie Teamarbeit und Förderung der Kreativität erfahren.

 

* Marcos Villasmil (Partner von LAK aus Venezuela): Politologe verbunden mit der internationalen Christdemokratie, zunächst Teil der COPEI-Jugend (Organisationskomitee politisch unabhängiger Wahlen) in Caracas, wo er auch als Generalsekretär von JUDCA (Junge Christdemokratie Amerikas) sowie im internationalen Sekretariat der UIJDC (internationales Organ der jungen Christdemokraten mit Sitz in Brüssel) tätig war. Er übernahm auch die Funktion als stellvertretender Generalsekretär der CADO, die Organisation der Christdemokraten in Nord- und Südamerika. Derzeit bietet er Schulungen und Ausbildung in den Bereichen der Entscheidungsfindung, Strategie und Verhandlungen an. Sein geistiges Vorhaben ist eine Partei der Zukunft für ein demokratisches Kuba (oder Venezuela) zu entwickeln. Als Kolumnist der Wochenzeitschrift „El Venezolano“ verfasst er seit 1992 verschiedene Artikel für die Verlagsgruppe mit Sitz in Miami.

E-Mail: maris61@iclud.com